Sonntag, 13. Juli 2008

Formatura

Heute war es endlich mal wieder so weit: Einer der Internos, Osmar, durfte seine Therapie in Cerené erfolgreich mit 6 Monaten abschließen. Ein solcher Tag bringt natürlich immer gewisse Rituale mit sich. Man weiß nie genau wann, aber mit tödlicher Sicherheit landet der betreffende Interno irgendwie im Fischteich. Egal, wie kalt, wie warm, wie schick angezogen, ja sogar egal, wenn der See mal kein Wasser hat. Beni zum Beispiel durfte in 50 cm tiefe Fischkacke fallen. Er meinte, es war jedenfalls sehr weich und "so voll bloööääh halt". Osmar hatte heute das Privileg in der krassen Morgenkälte von etwa 8 Grad plantschen zu gehen. Aber da muss man eben durch, hier in Cerené werden ja noch echte Männer erzogen!
Natürlich ist das nicht alles und die Direktoria lässt sich nicht lumpen. Meistens gibt es den seltenen und begehrten Kartoffelsalat, aber bevor man sich in diesen Kostbarkeiten verliert, gibt es noch die eigentliche Formatura. Das üeber 6 Monate schwer erarbeitetes Zerifikat wird vom Big Boss überreicht und jeder, dem noch danach ist, darf das ein oder andere Wort loswerden. Meistens sind das noch ein paar aufmunternde Bibelverse oder kleine Anekdoten aus den vergangenen 6 Monate. Hier werden einfach noch einmal richtig Gefühle preisgegeben und es ist immer ein extrem bewegender Anblick, wenn ehemalige Dauerjunkies, Großhandelsdealer und Straßenschläger sich an einem Tag im Monat heulend in die Arme fallen. Einfach herrlich, vor allem auch deswegen, weil man eben alle diese Anekdoten miterlebt hat, versteht warum genau diese Bibelstelle ausgewählt wurde, weil man eben ganze 6 Monate mit diesem Typen gelebt, gelacht und geliebt (!?) hat. Ich selber habe mich mit Osmar echt prima verstanden und jetzt sieht es so aus, als würde er Theologie studieren und in vielleicht ein paar Jahren bei Cerené als Mitarbeiter mit einsteigen. Immer wieder schön zu sehen, wie die Internos in diesen 6 Monaten aus ihrem Kokon schlüpfen. Manche kommen hier an und haben nichts außer die Kleider auf ihrem extrem abgemagerten Körper. Bei Crackkonsum verschwindet das Hungergefühl, also kommt es manchmal vor, dass die Internos Wochen nichts essen und dann im ersten Monat an die 20 kilo zunehmen (Kein Witz!). Deswegen wird es einem einfach immer total wohl ums Herz, wenn man nach 6 Monaten wieder einmal sieht, was für ein Leben einem Menschen zurückgegeben wurde.
Solche Tage bestätigen :) Und natürlich auch, wie mein albernes Westsidegepose eifrig von den Internos aufgegriffen wird. Homies in da HooD!

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

kleine frage..

bist du auch schon in den Tümpel gefolgen, oder wird dir diese
Ehre erst am Ende zuteil ???

Anonym hat gesagt…

culito culito!