Jetzt ist es wohl soweit. Die Koffer sind gepackt, das Rad zerlegt, das Zimmer endlich mal ordentlich aufgeräumt und nass gewischt. Der Abschied steht bevor, oder um genau zu bleiben, ist schon geschehen. Im Moment sitze ich meine letzten Tage in Brasilien auf einem Jugendkongress ab und kann es immer noch nicht glauben. Cerené ist nun Geschichte für mich. Was ich davon jetzt halten soll, weiß ich im Moment nicht. Vielleicht fange ich mal von vorne an und beschreibe meinen letzten Tag in Cerené. Das war am Freitag, nun also auch schon wieder veraltet, aber was solls. Fürs Abschlussessen war eine brasilianische Spezialität geplant: Costella. Das heißt so viel wie Rippen und genau das ist es auch. 2 Rinderhälften mit einem Gesamtgewicht von 33 Kilo wurden besorgt, auf Metallspieße geschoben und diese dann in den Boden gerammt. Dann wurde im Abstand von einem Meter Holz um die Rinder aufgehäuft und angezündet. Da Costella ziemlich schnell hart wird, muss man das ewig grillen. Ewig heißt in Brasilien um 4 Uhr nachts aufstehen um dann das Fleisch 7-8 Stunden auf dem "Grill" zu lassen. Langsam und chillig eben, wurde aber richtig richtig gut. Zum Bespiel kann man gegen Ende, die Rippen einzeln mit einer Kneifzange aus dem Fleisch ziehen. Boaaah ☺ Werde ich sicher auch irgendwann mal in Deutschland einführen. Schwer ist das anscheinend nicht.... Wie auch immer, ohne malträtieren kam ich natürlich nicht davon. Gewöhnlich wird man ja in den See geworfen, aber alle Internos waren sich einig, ich hab den harten Shit verdient. Details lasse ich jetzt aus, aber es war viel Kot, Sägespähne und Eier im Spiel. Menschenrechtlich hätte ich sicherlich einige Anklagepunkte und ich bin mir sicher ich werde noch die Fantasievollsten von euch schocken. Da hier aber auch meine Oma mitliest, breche ich die Sache nun ab. Vor dem Essen wurde auf meinen Wunsch hin, auch noch eine Art Formatura abgehalten. Also von wegen, verabschieden, Zertifikat bekommen und echte Männertränen. Als dann alle nach der Reihe anfingen sich zu bedanken, kleine Anekdoten zu erzählen und wie sehr sie mich vermissen würden, konnte ich einfach nicht mehr und hab geheult wie ein Mädchen. Scheisse geil wars! Ich kann nicht wirklich beschreiben, wie ich mich da gefühlt habe. Gebraucht? Wichtig? Keine Ahnung, mir war auf jeden Fall bewusst, dass diese 18 Monate nicht nur in mir Spuren hinterlassen haben. Sinnvoll wäre vielleicht das passende Adjektiv, aber wie gesagt, unbeschreiblich. Wenn ich dann so zurückblicke, kann ich nur sagen, es hat sich gelohnt. Es war eine geniale Zeit, ich hab so viele Menschen kennen gelernt und Erfahrungen gemacht. Kulturelle Grenzen überschritten, Unterschiede bemerkt, sich angepasst und trotzdem authentisch geblieben. Einfach fett. Jeder der so was durchmacht, wird wohl irgendwann behaupten, „ich kann das nur empfehlen, wenn du mal Lust hast, mach das!“ Ich würde da einen Schritt weitergehen und behaupten, „Du Musst das machen!“ Wirklich, ich kann schreiben und erzählen, zeigen und erklären, aber es wird niemals auch nur annähernd an das herankommen, was ich oder jeder andere Freiwillige hier erlebt hat. Diese 18 Monate waren so essenziell, prägend und intensiv, dass ich nie ein gutes Gewissen hätte, nicht jedem genau so etwas als nächstes Jahresziel vorzuschreiben. Ich bin mir sicher, ich werde sowas nochmal machen, im Moment steht Afrika hoch im Ranking, aber auch Indien fand ich lecker. Wann und wie hab ich noch keine Ahnung, aber ich bin mir sicher, irgendwann, nach dem Studium, während dem Studium, irgendwann mal als Sabbatjahr. Voll egal, so was rockt und solange man noch nicht im Rollstuhl sitzt gibt es meines Erachtens keine wirkliche Ausrede dafür. Einfach mal was total Verrücktes machen, es lohnt sich ☺
Damit beende ich nun meine 18 Monate in Brasilien. Resumé wäre: Fett. Aber 18 Monate habe im Grunde kein Resumé verdient, weil jedes Resumé weder autehntisch noch treffend wäre. Wie auch, es waren 18 Monate! Wir sehen uns dann in den nächsten Tagen. Am 27. Bin ich nun offiziell wieder auf deutschem Boden.
Danke an alle für die Unterstützung! Wirklich vielen Dank!
Montag, 23. Februar 2009
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