Sonntag, 20. Juli 2008

Tightness meets parents GmbH


Hallo Leute,
heute kommt ein Blog von "mai do Simon". Als Simons Mama wollte ich mir dies nicht entgehen lassen, mal seine und unsere Leute auf einen Schlag zu erreichen. Also heute ein ganz anderer Stil:

Wir sind nun seit Donnerstag hier.Das erste Wiedersehen war sehr "krass", wie manche von euch zu sagen pflegen und wie ich die vielen Gefühle auch nicht anders beschreiben kann. Wir bestaunen Simons Welt und seinen "Fusca", zu deutsch "Käfer". Er hat erst letzte Woche TÜV bekommen: ohne Handbremse, Gaspedal,rechtem Bremslicht und mit halb plattem Reifen! Aber die entscheidende Sache ist hier die Funktionalität. Und das Fahrgefühl ist auf diesen Straßen, mit diesem Fahrmobil und diesem ohrenbtäubenden Motorgeräusch einfach unbeschreiblich.
Wir werden hier sehr offenherzig aufgenommen. Die Internos freuen sich über alles, was Abwechslung bringt. Gestern haben wir 5,5 kg Käsespätzle gemacht!!! Die Kerle hier haben einen sehr guten Appettit. Mit den Internos in der Küche war das echt eine Gaudi und wenn Simon nicht übersetzt hat haben wir uns auch anders miteinander "unterhalten". In der Küche ist der einzige Platz, an dem Musik läuft. Habt ihr schon mal beim Rühren Anbetungslieder gesungen? Manche Lieder kennen wir in Deutsch und das ist ein gutes Musikerlebnis, wenn einige portugisisch und andere deutsch singen!
Am Abend machte Matthias mit allen Gruppenspiele. Da haben wir zu allen einmal Kontakt gehabt. Wir empfinden das Leben hier für die Internos wie eine große Familie, in der man sich sehr wohlfühlen kann. Das brauchen sie auch. Und Simon tut das auch gut. Also wir sehen, dass er sich hier sauwohl fühlt und das tut jedem Mutterherz gut.
Und Simon konnte schon ein BMX Fahrrad aus den Teilen zusammen bauen, die viele Biker gespendet haben und die wir mitgebracht haben. Das hat viele Internoherzen höher schlagen lassen. Viele in Deutschland haben es auch finanziell möglich gemacht, dass noch ein großes Paket mit noch versprochenen Teilen aus Deutschland geschickt werden kann. So werden am Ende drei vollständige BMX Räder für die Freizeitbeschäftigung der Internos zur Verfügung stehen. Euch ein großes "Obrigada" (Danke)!
Heute haben wir auch noch eine Familie kennen gelernt, die deutsch spricht und deren Großeltern aus Deutschland kamen. Die haben uns genauso herzlich empfangen und wollten uns nicht mehr weg lassen. Aber da wir morgen unsere Rundreise durchs Land antreten und vielleicht heute abend schon abfahren, um bei einem anderen Freund von Simon in Curitiba zu übernachten, haben wir uns nach 4,5 Stunden verabschiedet.
Auf jeden Fall ist Simon am 6.8. wieder hier und ihr bekommt wieder die gewohnt lustig, chaotisch, fetzigen (die 80er Jahre haben angerufen und vermissen ihr Trendwort, Anm. Simon) Blogs von ihm.
Also es ist wirklich klasse hier für ihn. Für alle empfehlenswert, sowas mal zu erleben.
Alle die uns kennen und alle die uns jetzt erst im Blog kennen gelernt haben
-viele Grüße aus dem schönen Lapa.
Eva, Matthias und Simon

Sonntag, 13. Juli 2008

Formatura

Heute war es endlich mal wieder so weit: Einer der Internos, Osmar, durfte seine Therapie in Cerené erfolgreich mit 6 Monaten abschließen. Ein solcher Tag bringt natürlich immer gewisse Rituale mit sich. Man weiß nie genau wann, aber mit tödlicher Sicherheit landet der betreffende Interno irgendwie im Fischteich. Egal, wie kalt, wie warm, wie schick angezogen, ja sogar egal, wenn der See mal kein Wasser hat. Beni zum Beispiel durfte in 50 cm tiefe Fischkacke fallen. Er meinte, es war jedenfalls sehr weich und "so voll bloööääh halt". Osmar hatte heute das Privileg in der krassen Morgenkälte von etwa 8 Grad plantschen zu gehen. Aber da muss man eben durch, hier in Cerené werden ja noch echte Männer erzogen!
Natürlich ist das nicht alles und die Direktoria lässt sich nicht lumpen. Meistens gibt es den seltenen und begehrten Kartoffelsalat, aber bevor man sich in diesen Kostbarkeiten verliert, gibt es noch die eigentliche Formatura. Das üeber 6 Monate schwer erarbeitetes Zerifikat wird vom Big Boss überreicht und jeder, dem noch danach ist, darf das ein oder andere Wort loswerden. Meistens sind das noch ein paar aufmunternde Bibelverse oder kleine Anekdoten aus den vergangenen 6 Monate. Hier werden einfach noch einmal richtig Gefühle preisgegeben und es ist immer ein extrem bewegender Anblick, wenn ehemalige Dauerjunkies, Großhandelsdealer und Straßenschläger sich an einem Tag im Monat heulend in die Arme fallen. Einfach herrlich, vor allem auch deswegen, weil man eben alle diese Anekdoten miterlebt hat, versteht warum genau diese Bibelstelle ausgewählt wurde, weil man eben ganze 6 Monate mit diesem Typen gelebt, gelacht und geliebt (!?) hat. Ich selber habe mich mit Osmar echt prima verstanden und jetzt sieht es so aus, als würde er Theologie studieren und in vielleicht ein paar Jahren bei Cerené als Mitarbeiter mit einsteigen. Immer wieder schön zu sehen, wie die Internos in diesen 6 Monaten aus ihrem Kokon schlüpfen. Manche kommen hier an und haben nichts außer die Kleider auf ihrem extrem abgemagerten Körper. Bei Crackkonsum verschwindet das Hungergefühl, also kommt es manchmal vor, dass die Internos Wochen nichts essen und dann im ersten Monat an die 20 kilo zunehmen (Kein Witz!). Deswegen wird es einem einfach immer total wohl ums Herz, wenn man nach 6 Monaten wieder einmal sieht, was für ein Leben einem Menschen zurückgegeben wurde.
Solche Tage bestätigen :) Und natürlich auch, wie mein albernes Westsidegepose eifrig von den Internos aufgegriffen wird. Homies in da HooD!

Dienstag, 8. Juli 2008

Auszug, Umzug, Rückzug?

Vor 3 Tagen war es soweit: Mein nun 10 monatiger Mitbewohner Beni machte sich auf den Weg in die Heimat. Das brachte 32 Dinge mit sich: Die ersten 30 waren Pizzen, die er unseren Internos spendierte und einen ganzen Abend, also knapp 2 Stunden, nichts anderes getan wurde als zu essen. Ich hätte sogar fast kotzen müssen, so zwanghaft musste ich mir die Pizzen durch meine Speißeröhre pressen. War aber superlecker und ein würdiger Abschied eines coolen Zivihomies. Außerdem musste noch die 10 Monatsmähne runter, damit Omi ihren Bub auch wiedererkennt. Dann eine zum W verknotete Hand zum Abschied, Schmatzer gegeben und mit einem Klaps auf den Hintern ab ins Flugzeug. War eine tolle Zeit :) Das 31. war, dass er schon ein Loch hinterlassen hat, vor allem wird mein Zimmer wohl lange Zeit nicht mehr gefegt oder gewischt werden. Auch wenn ich oft vorhatte es zu tun, kam mir Beni fast immer zuvor, was vermutlich an meiner höheren Tolleranzgrenze lag. Und ja, ich hab mich beim Abschied dafür bedankt :)
Die letzte Sache ist, dass ich nun endlich ein Zimmer allein habe und schon fast vergessen habe, was für ein Luxus das eigentlich ist. Ich meine jetzt nicht, dass Beni sich an irgend etwas gestört hätte oder mir irgend etwas zu peinlich gewesen wäre, aber es ist doch wieder ein anderes Gefühl zu den Klängen von "Time to say goodbye" frei durch sein Zimmer tanzen zu können, als sähe dich niemand. Oder Radzufahren, was ich natürlich sofort gemacht habe. Ich hätte gerne noch ein Vorher Bild dazugestellt, aber meine Festplatte macht gerade irgendwie schlapp.


Donnerstag, 3. Juli 2008

Enthüllt: Internetprominenz ganz privat!



Eigentlich jedem, der sich eine Folge "Bitte lächeln" angesehen hat oder wenigstens 3mal mit Youtube Kontakt hatte, sollte dieses Video bekannt sein. Die ganz gewitzten Nerds mögen es natürlich nicht nur an der Oberfläche zu bleiben und graben ein wenig tiefer. Heraus kommt dann, dass dieser Kerl doch tatsächlich aus Brasilien kommt.
Die absoluten Pros dagegen, zu denen ich gehöre, laufen diesem Typen einfach auf der Straße über den Weg. Beziehungsweiße nicht mir, sondern einem Mitzivikollegen, was mich aber nicht minder pro macht! Cerené hat anscheinend gute Kontakte zu diesem Schiri und so kam es, dass er in diesen Tagen eine gewöhnliche Partie Fussball mit seinem außergewöhnlichen Style pfiff. Aber man frägt sich nun schon, wo bleibt der Skandal?! Ganz einfach: Der Typ ist in Wahrheit kein bischen schwul! Verheiratet, 3 Kinder und wirklich extrem engagierter Christ. Und zu alle dem sogar noch ein verdammt cooler Typ, wenn man den Menschenkenntnissen meines Mitzivis Jonas glauben kann. Seiner Aussage zufolge führt er sich so auf, weil es im a) Spass macht und b) zu demonstrieren, dass über die Oberfläche schauen nie schadet. Ich finde es ist ihm gelungen :)

So, und nun möchte ich bitte alle AAAALT-Rufer betreten schweigen hören!

Hier das Video meines Zivikollegens: